Die musikalische und die szenische Interpretation gehen dabei in Erl perfekt Hand in Hand. Die Produktion gleicht einer Bekehrung zu Braunfels. Lothar Zagrosek ist der überzeungskräftige Spiritus rector. Am Pult des maximalmotivierten Orchesters der Tiroler Festspiele Erl hört er die beiden klanglichen Seiten der Partitur hochsensibel aus: die in apollinischem Klassizismus sublimierte Süffigkeit des ersten Aktes, das sensualistische „süße Wehen des Alls“, wie das Libretto explizit tristanesk kündet, im dionysischen zweiten Akt. Mitreißender und magischer kann man diese große Musik weder dirigieren noch musizieren.
Peter Krause, Exzess der Entgrenzug, in: concerti.de, 29.07.2019

Es ist bemerkenswert, dass die Festspiele in Erl eine Oper aufführen, die 1920 in München ihre Uraufführung hatte, ein sensationeller Erfolg wurde, von den Nazis verdammt wurde und erst in den Neunziger des 20. Jahrhunderts anfing, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie verdient. Viel Verdienst daran hat Lothar Zagrosek, der 1996 eine Gesamtaufnahme auf CD dirigierte. Zagrosek dirigiert nun auch in Erl, auch das ist äußerst bemerkenswert und erhebt das Festspielorchester zu einem leuchtenden Klangapparat.
Egbert Tholl, Lichte Schönheit, dunkles Sehnen, in: Die Süddeutsche Zeitung, 28.07.2019

Sensationell, dass für die gegenwärtige Aufführung der Oper bei den Tiroler Festspielen Erl Lothar Zagrosek ans Pult geholt werden konnte. Das erfahrene Festspielorchester gibt ihm, mit kleinen Live-Einsprengseln, was es kann, scheint Zagroseks Könnerschaft zu genießen. Über die Wagner-, Strauss- und überhaupt die Zeitbezüge hinaus macht Zagrosek in dieser transparent atmenden, maßstäblichen Interpretation von Braunfels Eigenes hörbar.
Ursula Strohal, "Die Vögel" in Erl: Es war erlebt, es bleibt, in: Tiroler Tageszeitung, 22.07.2019


Am Pult des Museumsorchesters baute Lothar Zagrosek mit seinen konzentriert und sicher spielenden Musikern in Windeseile Kreneks schnell wechselnde Klangwelten auf. Besonders faszinierte die Balance, die vor allem Streicher und Holzbläser selbst in dynamisch extremen Passagen nie untergehen ließ. Mit sehr viel Raffinement und schlagtechnischer Präzision koordinierte er auch die schwierigen Ensembleszenen im „Königreich“.
S. Mauß, Drei Opern, in: Das Opernglas, 30.04.2017

 

Zagrosek achieves miracles of transparency and detail, and creates his own kind of lucid beauty. This is a Lulu of superlative musical coherence, its lyricism tenderly laid bare.
Shirley Apthorp, The new(est) Lulu: What you see is all you get, in: MusicalAmerica.com, 03.06.2015

Lothar Zagrosek gelingt mit dem Concertgebouw Orchester eine wirklich exemplarische Interpretation der äußerst komplizierten, mit unzähligen Stilen und formalen Prinzipien gespickten Partitur.
Jörn Florian Fuchs, Bedächtig geht es in den Abgrund, in: Deutschlandradio 03.06.2015