KSG zu Gast in Rotterdam 

Das KünstlerSekretariat am Gasteig war bei der diesjährigen Classical:NEXT Konferenz in Rotterdam zu Gast. Zentrale Themen waren in diesem Jahr die digitale Entwicklung im Klassikmarkt mit Focus auf Streaming, Social Media und neue Strategien für Labels.

Tatsache ist, dass der Streaming-Markt rasant wächst. Letztes Jahr wurde vom Branchenverband Bitcom bekannt gegeben, dass erstmals durch Streaming mehr Umsatz gemacht wurde als mit CDs.

Viel diskutiert wurde in diesem Zusammenhang der Vortrag des Creative Directors Rob Overman von Stingray. Er stellte Stingray als das neue Netflix für den Klassikmarkt dar. Dabei gab er zunächst einen Rückblick auf die letzten 50 Jahre Entwicklung der visuellen Medien und anschließend einen Einblick in den aktuellen Streaming- und Videomarkt:
Zunehmend produzieren Opern- und Konzerthäuser ihre Videoaufnahmen „in house“, ganz vorne dabei sind die Berliner Philharmoniker mit der Digital Concert Hall. Weitere Beispiele sind das Royal Concertgebouw Amsterdam, LSO, Toronto Symphony Orchestra, Gothenburg Symphony Orchestra, die Wiener Staatsoper, das Royal Opera House oder Teatro Real – derzeit existieren über 250 in Bild und Ton hochqualitative Anbieter. Die größten Haus-unabhängigen Streaming-Videoportale im Bereich der Klassik sind derzeit Medici.tv, Culture Box, Arte Concert, Opera Vision, Selecta, Fidelio, Marquee, Takt 1 und Stingray. Die Geschäftsmodelle der Video-Plattformen und Streaming-Dienste sind sehr unterschiedlich von kostenfrei (unterstützt von Sponsoren – z. B. Concertgebouw - oder öffentlichen Mitteln – z. B. arte concert oder Opera Vision) über das häufig angebotene Abonnement wie bei der DCH oder bei Takt 1, Mitgliedschaften wie das DSO bis hin zu gemischten Finanzierungsmodellen wie Medici.tv oder Stingray Classica.
Overmann prognostizierte, dass die derzeitigen Anbieter immer mehr mit bestehenden Plattformen zusammenarbeiten bzw. fusionieren würden. Gleichzeitig würde klassische Musik auf Fernsehsendern weiter verschwinden.

Peter Maniura (UK), IMZ Academy Director und Projektleiter des Klassischen Archivs und Digitale Strategie der Orchester des BBC, sprach über die Herausforderungen durch die zunehmende Präsenz von Social Media. So bringt er beispielswiese die BBC Proms durch die neuen Kanäle einem jüngeren und viel breiterem Publikum näher. Live Events und die digitale Welt rückten dadurch immer näher zusammen. Bei den Orchestern der BBC wird auf diverse Social-Media-Kanäle gesetzt, allen voran Facebook, Instagram und Twitter. Dabei steht eine “sustainable social media activity” im Vordergrund, welche die Interessenten unmittelbar zu den relevanten Inhalten bringt.

In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Next Generation Record Labels“ diskutierten Simon Eder, Pentatone, John Andersen des Labels Odradek sowie Felix Feustel, Label Manager der Berliner Philharmoniker Recordings. Zentrale Frage war, wie man vorgeht, um nicht mehr nur ein Format (wie früher die LP bzw. dann CD) zu vermarkten, sondern diverse Formate, allen voran die Streamingdienste.

Das Thema „Digital“ wird sicher auch in nächster Zeit eines der relevantesten und sich am schnellsten verändernden Themen sein – nicht nur in Rotterdam.