Doch nun kommt eine Lesart der neunten Symphonie, die sich derart untheatralisch und antiegozentrisch gibt, dass sie einen, jenseits aller Übersättigung, mit ihrer stillen und trauervollen Würde in ihren Bannkreis zieht. ... Es ist eine Hypnose, die aus Sparsamkeit entsteht, deren lange Bögen einem oft erst bewusst werden, wenn sie schon wieder verklungen und zurückgebaut sind, und die manchmal auch in eine Leere hineintragen, wo alles versinkt, wegtritt und zum Stillstand kommt: Enden und traurige Erfüllungen, die kaum Beängstigendes haben, weil sie größer sind als der Einzelne. Die entsetzen Blicke in den Abgrund, die Todesängste des Kopfsatzes sind am Ende nur Durchgangssituationen auf dem Weg zu jener entgrenzten Geborgenheit, die sich wie ein dunkler Mantel um alles Menschliche legt - und in die uns Herbert Blomstedt in achtsamer Behutsamkeit mitnimmt.
Gerald Felber, Ein Mensch - wie viel das ist, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2019

 

... Blomstedt's Ninth from 2009, at times almost weightless, as well as infinitely flexible, with inner voices crystal-clear so that the finale's clinching discord makes its full effect. This is the highlight of a fine set....
Rob Cowan, Box-Set Round-up, in: Gramophone 08/2019

 

Herbert Blomstedt ... is a 91-year-old Massachusetts native in superb condition. He demonstrated artistry, vigor, and wisdom with total assurance in Friday’s Boston Symphony concert, which included the best performance of Brahms’s First Symphony I’ve ever heard, live or recorded.
Mark DeVoto, Blomstedt and BSO: Lofty Brahms, in: The Boston Musical Intelligencer, 19.01.2019

 

Blomstedt here too showed a discerning awareness of hostorically informed style, leading a fleet, fast rendering that never felt rushed or breathless. Transparency and balancing were superb without drawing undue attention to themselves and this was a Beethoven reading of tensile strength and spirited dynamism.
Lawrence A. Johnson, At 90, Blomstedt leads CSO in performances of youthful vitality, in: Chicago Classical Review, 01.03.2018

 

Multi-dimensional. Crystalline. Revelatory. The list of superlatives could continue longer than last evening’s BSO offering of an all-Mozart program under the direction of Herbert Blomstedt. The concert was as much a celebration of a conductor as it was a composer, and the two collaborated exquisitely. One was surprised to learn that this year Blomstedt celebrates his 90th birthday; the cordial and stately man of the podium led the young composer’s masterworks with grace and exactness, demanding the utmost in textural clarity while reveling in their playful exuberance in a way that only the experienced soul, in life and music, can.
Patrick Valentino, Mozart Masterworks with Cordial Grace, in: The Boston Musical Intelligencer, 23.02.2018 

 

Mit bedenkenlos impulsiver Resolutheit, in Ansatz und Durchführung, gelingt es dem Nestor der gegenwärtigen internationalen Dirigenten-Elite, seinen nie nachlassenden Gestaltungswillen umzumünzen in ein über jeden Zweifel erhabenes objektivierendes Wertungsstreben. Blomstedts narrative Unbedingtheit vermittelt sich mit perfekter Überschaubarkeit so natürlich wie ein Alltagsphänomen. Eine von innovatorischer Durchdrungenheit gezeichnete Leistung erwächst zum Hör-Fest.
Hanspeter Krellmann,  Ludwig van Beethoven: Sinfonien 1–9; Gewandhaus-Orchester Leipzig, Herbert Blomstedt, in: NMZ, Ausgabe 10/2017

 

Dirigent Blomstedt fächerte diesen Kosmos optimal auf, machte die Welt aus titanischen Klangsäulen und delikaten Ornamenten zugänglich. Versetzte uns mitten hinein in die Sphären, da Cherubim und Seraphim ihren Lobgesang anstimmen, wo sich Glanz und Demut verbinden.
Markus Noichl, Musik der Menschenliebe, in: Allgäuer Zeitung, 28.06.2016


Dann aber demonstrierte uns Beethoven, dass seine fünfte Sinfonie keineswegs verbrauchte Klangware ist. Blomstedt entfesselte sie mit Fortekraft wie in ihren unerwarteten Wendungen, steuerte die Wechselrede der Bläser- und Streicherchöre im ersten Satz mit kammermusikalischer Delikatesse, aber vertiefte sich auch in die Variationen des Andante mit fein ausgekosteten Pianissimi und in die düsteren Schemenreigen des Themas im Scherzo. Schließlich aber siegte der C-Dur-Glanz im Finalsatz: nicht nur Triumph eines Ethos als Macht des Humanen, sondern auch Zeugnis abendländischen Musikgenies - und der musikalischen Potenz der BR-Symphoniker.
Klaus P. Richter, Fiepen mit Stil, in: Süddeutsche Zeitung, 13.05.2016