Julia Fischer Quartett

Streichquartett

"Das Ensemble um Julia Fischer bringt dieses gigantische, hoch emotionale Werk [G-Dur-Streichquartett von Franz Schubert] von gut fünfzig Minuten Dauer aus sich heraus zum Sprechen. Vom eisigen Raureif bis zum erdrückend expressiven, fast schon orchestral-voluminösen Glanz reicht die Bandbreite der Klangfarben, dazwischen ein bisschen süße Innigkeit und Wiener Melancholie.

Julia Fischer ist dabei Namensgeberin und erste Geigerin des Ensembles, aber eben auch Teil eines perfekt austarierten Organismus. Alexander Sitkovetsky ist Fischers Furor dank seines eigenen musikalischen Standing und eines großen Tons gewachsen. Nils Mönkemeyer als ausdrucksstarker Bratscher, Cellist Benjamin Nyffenegger mit lyrisch gesungenen Soli: Dieses Quartett besticht durch seinen brillant funkelnden Klang, durch seine dynamische Bandbreite, durch seine feingliedrige Interaktion. Wie die vier etwa im zweiten Satz von einer melancholisch schreitenden Moll-Melodie im Cello zum düster-heroischen Gestus einer barocken Ouvertüre wechseln, wie Passagen in bebender Erregung anschwellen und sich im düsteren Nichts wieder verlieren - das ist Quartettspiel auf der Höhe der Zeit. Und in Vollendung.

Das korrespondiert mit einer erstklassigen Programmgestaltung: Das fünfte Streichquartett von Bohuslav Martinu ist noch zerklüfteter, noch düsterer als das von Schubert - ein aufwühlender Einstieg in den Abend. Die fünf Sätze aus den „Zypressen“ von Antonín Dvorák bilden kleine, halbwegs friedliche Inseln, und mehr oder weniger haben alle Werke mit Liebe zu tun - dem Festivalmotto. Vielleicht hätte es gelohnt darüber zu sprechen. Wenn denn gesprochen werden muss: Mehr als alle Worte hat die Musik des fantastischen Julia Fischer Quartetts gesagt."

Neue Osnabrücker Zeitung, „Movimentos: Gesprächskonzert mit Julia Fischer“, Ralf Döring, 04. Mai 2016

 

"Ihre größten Erfolge hat sie als Solistin gefeiert. Konzertiert hat sie mit allen namhaften Dirigenten. Doch gehört ihre Liebe auch der kleinen Form. Mit ihrem Streichquartett war sie zu Gast bei Movimentos, der Weltstar mit der Geige, Julia Fischer.

Das Hauptwerk des Abends, das letzte Streichquartett G-Dur, D 887 von Franz Schubert, gab Aufschlüsse über ihr Musikverständnis. Die Meisterschaft der Zwischentöne, der dynamischen Nuancen, der Verteilung von Licht und Schatten, der Blick in die Seele Schuberts lässt sich kaum erlernen. Gepaart mit ihrer technischen

Perfektion ist es die Intuition, die hinter der Musik das Seelengemälde deutlich macht. Schuberts Wahrhaftigkeit von fahler Klage und wehmütigem Erinnern wie zu

Beginn des ersten Satzes, oder die flirrende Nervosität, abgelöst durch scheinbare Behaglichkeit wie im Trio des Scherzos, das sind Prüfsteine der Extraklasse.

[…]

Und dann hört das Publikum eine temperamentgeladene Interpretation von Bohuslav Martinus Streichquartett Nr. 5. Explosiv in der Motorik, mit graziösen Einschüben,

sanglicher Tiefe und mitreißender Rhythmik. Langer Beifall für eine beeindruckende Künstlerpersönlichkeit und eine großartige Ensembleleistung."

Braunschweiger Zeitung, „In Schuberts Seele“, Rainer Sliepen, 07. Mai 2016